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	<title> &#187; Provocateur</title>
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		<title>Korruption im Altrömischen Reich im historischen Kontext</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Sep 2011 19:38:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichtstheorie]]></category>

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		<description><![CDATA[ Die spätkaiserliche Zeit
Nach dem Ende der Severische Dynastie, die von 193-235 n.Chr. dauerte, folgte die große Krise des 3. Jahrhunderts. Dieses Jahrhundert war geprägt von zahlreichen Usurpationen und Bürgerkriegen. Die Soldatenkaiser sahen sich dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau ausgesetzt, während das Reich im Osten, besonders die Provinzen Syrien und Kleinasien, gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong><strong>Die spätkaiserliche Zeit</strong></p>
<p>Nach dem Ende der Severische Dynastie, die von 193-235 n.Chr. dauerte, folgte die große Krise des 3. Jahrhunderts. Dieses Jahrhundert war geprägt von zahlreichen Usurpationen und Bürgerkriegen. Die Soldatenkaiser sahen sich dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau ausgesetzt, während das Reich im Osten, besonders die Provinzen Syrien und Kleinasien, gegen Ardaschir aus der Dynastie der Sassaniden des Neupersischen Reiches zu verteidigen war. Dem ständig wachsenden Druck auf alle Grenzen des römischen Reiches war die römische Abwehr nicht gewachsen. Dies endete Mitte des 3. Jahrhunderts in einer tiefen Krise, in der das Reich kurz vor dem Untergang stand.<a href="#_ftn7">[7]</a> Dieser erreichte Tiefpunkt fällt unter die Herrschaft von Kaiser Gallienus (253-268 n.Chr).<a href="#_ftn8">[8]</a></p>
<p>Auf die Grenzen des ganzen römischen Reiches wurden Angriffe ausgeübt, Plünderungszüge wurden veranstaltet<strong>,</strong> und es ist allein der Unkoordiniertheit der Gegner zu verdanken, dass das römische Reich nicht zerstört wurde. „Schlimmer jedoch als die territorialen Verluste waren die Verwüstungen, der Raubbau an den Ressourcen und der Zusammenbruch des Währungssystems.“<a href="#_ftn9">[9]</a> Dies betraf jedoch nicht alle Teile des Reiches gleichermaßen. Dennoch führte die Krise des 3. Jahrhunderts zu zahlreichen Veränderungen.</p>
<p><span id="more-133"></span></p>
<p><strong>Die Spätantike</strong></p>
<p>Der Übergang in die Spätantike vollzog sich 284 mit Diokletian (285-305 n.Chr). Wie seine Vorgänger sah er sich vor eine Menge ungeklärter Probleme gestellt, die er zu lösen versuchte. Nach seiner Kaisererhebung stellte er schnell fest, dass es grundlegender Veränderungen bedurfte<strong>,</strong> um ein Reich dieser Größe zu regieren. Damit begann eine Zeit des Umbruchs und der Transformation.</p>
<p>„Die Grenzen mussten gesichert, das Kaisertum wieder zum Garanten der inneren Stabilität gemacht, das Steuer- und Abgabensystem reformiert, die Währung wieder auf eine feste Grundlage gestellt und eine Antwort auf die religiöse Herausforderung gefunden werden.“<a href="#_ftn10">[10]</a></p>
<p>Um seine Herrschaft zu festigen und den Verlust der Reichseinheit zu umgehen, schuf Diokletian das Kaiserkollegium, die so genannte <em>Tetrarchie</em>, welche sich aus zwei <em>Augusti </em>(Diokletian und Maximian) und den <em>Caesares</em> (Galerius und Konstantius) zusammensetzte.<a href="#_ftn11">[11]</a> Diokletian erkannte nicht nur die Notwendigkeit der Arbeitsteilung, sondern reformierte auch das Verwaltungswesen, welches er in einen zivilen (<em>Dignitas</em>) und einen militärischen (<em>Militia</em>) Sektor teilte. Eine effizientere, staatliche Verwaltung sollte durch die Teilung der Provinzen und die Einführung von Diözesen und Präfekturen begünstigt werden. Gleichzeitig sollte eine örtliche Machtzusammenballung verhindert<a href="#_ftn12">[12]</a> werden und eine Kontrollfunktion geschaffen werden.<a href="#_ftn13">[13]</a> Weiterhin systematisierte er das Abgabensystem, schaffte frühere Steuerarten ab und versuchte durch zwei Münzreformen die zerrüttete Währung zu festigen. Ein weiterer Versuch der wirtschaftlichen Stabilisierung war sein Höchstpreisedikt. Ferner versuchte er das Reich durch eine zentrale Kulturpolitik<a href="#_ftn14">[14]</a> und eine sakrale Zementierung seiner Herrschaft (Beinname <em>„Iovius“</em>), zusätzlich zu einen. Dies führte zu schweren Christenverfolgungen, da Diokletian von der Unvereinbarkeit von Christentum und römischer Lebensordnung überzeugt war.<a href="#_ftn15">[15]</a></p>
<p>Die entscheidende Wende kam erst mit Kaiser Constantin, der 312 n.Chr die Herrschaft über den gesamten Westen gewann. Er verhalf dem Christentum zu einer gleichberechtigten Stellung gegenüber den anderen Religionen, wenn nicht sogar zu einer Begünstigung. Mit diesem ‚Bündnis’ zwischen Kaiser und Kirche bezweckte Constantin eine Festigung seiner Herrschaft und des Staates.<a href="#_ftn16">[16]</a> Die Gründung Konstantinopels, als zweite Hauptstadt neben Rom, fällt ebenfalls in die Regierungszeit Konstantins. Nach seinem Tod kam es zu Bruderkämpfen, bis Constantius II 353 n.Chr die Alleinherrschaft erlangte.<a href="#_ftn17">[17]</a> Im Jahre 361 folgte Julian Apostata (361-363 n.Chr) auf den Thron und unter seiner Herrschaft kam es zu einem letzten Versuch, das Heidentum wiedereinzuführen.</p>
<p>Es gelang Julian gegen die Korruption vorzugehen. So verbesserte er z.B. das Verwaltungswesen, förderte Städte sowie Finanz- und Postwesen, beschäftigte sich mit dem Justizwesen als auch mit dem Bildungswesen. Durch ihn erhielt der Staat die Möglichkeit, auf Bildungseinrichtungen Einfluss auszuüben. Bedeutung errang auch die Bibliothek, der er seine Privatbibliothek stiftete und repräsentative Räumlichkeiten bauen ließ. Nach seinem Tod erfolgte eine Reichsteilung, da es unmöglich geworden war, ein Herrschaftsgebiet dieser Größe allein zu regieren. Erst mit Theodosius (379-395 n.Chr), der letzte Alleinherrscher des Imperiums, wurde das Reich wieder vereinigt. In die Zeit seiner Herrschaft fällt auch die Einführung des Christentums als Staatsreligion, welche sicherlich eine stabilisierende Wirkung hatte. Theodosius erkannte ebenfalls die Korruption des Verwaltungsapparates und versuchte dagegen vorzugehen. Er deckte die Machenschaften römischer Beamten auf und zog sie zur Verantwortung. Diese Versuche waren allerdings nur von mäßigem Erfolg gekrönt und Theodosius selbst fiel 375 einer Palastintrige zum Opfer. Nach seinem Tod 395 teilten seine Söhne das Reich endgültig. Honorius regierte im Westen und Arcadius im Osten, allerdings blieb die Idee der Reichseinheit bestehen, da die jeweiligen Gesetzte des einen Herrschers immer auch im Machtbereich des Anderen galten.</p>
<p>Die Spätantike war geprägt von Reformen und Reformversuchen seitens der römischen Kaiser<em>.</em> Sie erkannten, dass Korruption ein schwer wiegendes Problem darstellt was sich vor allem in den Provinzen wieder spiegelte und dem römischen Reich schadete. Besonders die Verwaltung des gewaltigen, römischen Reiches sollte effizienter gemacht werden. Rom ließ sich immer schwerer regieren und es kam zu unglaublichen Misswirtschaften, vor allem in den weit entfernten Provinzen. Die Verwaltungsreformen des Diokletian und der „codex Theodosius“ belegen, dass sich der Grossteil der Probleme auf die Provinzen des Reiches konzentrierte. Belege dafür liefern die spätantiken Rechtssammlungen (codices) in denen viele Gesetze vom römischen Kaiser persönlich erlassen wurden, welche ausschließlich für die Provinzen gelten sollten. Im „codex Theodosianus“ befasst sich fast jedes dritte Gesetz mit den Amtsvergehen von Beamten.<a href="#_ftn18">[18]</a></p>
<p><strong>Korruption als Problem der Provinzialverwaltung</strong></p>
<p>Am häufigsten anzutreffen war Korruption im Gerichts- und Steuerwesen. Vor allem Jurisdiktionsmagistrate erwiesen sich als bestechlich oder ließen sich beeinflussen oder einschüchtern. Dies kam den Mächtigen zu Gute, denn Geld, Macht und soziale Stellungen beeinflussten nachhaltig den Verlauf von Prozessen.<strong> </strong>Als Reaktion auf korrupte Praktiken entstand das Gerichtspatrozinium. Bei diesem leisteten einflussreiche Persönlichkeiten zumeist rangniederen Personen als Patron<strong> </strong>Beistand, indem sie z.B. Empfehlungsschreiben verfassten oder sich auch persönlich bei den Richtern für sie einsetzten.</p>
<p>Ein Beispiel für eine solche Führsprache beschreibt auch Ausbüttel sehr eindringlich. Da geht es z.B. um die Ehefrau eines Bäckers in Antiochia, welcher der angesehene Sophist Libanios zu Hilfe eilt. Sie hatte sich bei ihm darüber beschwert, dass der Bedienstete der Stadt, der ihren Mann ausgepeitscht hatte, erst einer Behandlung durch einen Arzt zustimmte, nachdem er von ihr Geld erpresst hatte. Interessanterweise nahmen durch das Gerichtspatrozinium illegale Praktiken zu.<a href="#_ftn19">[19]</a></p>
<p>Korruption dürfte ebenfalls in der städtischen Administration weit verbreitet gewesen sein. Aus Antiochia ist z.B. ausserdem bekannt, dass die kuriale Pherenikos der im Auftrage des <em>comes Orientis</em> die Bäcker überwachte, nur bei denen falsche Gewichte entdeckte, die ihn nicht mit Geld bestochen hatten. Bei den Steuerhebungen kam es vor allem zu überhörten Forderungen. Nicht selten dienten dazu Auspeitschungen, Folterungen und Inhaftierungen, um ungerechtfertige Forderungen durchzusetzen.<strong> </strong>Weiterhin weigerten sich Steuerbeamte Quittungen auszustellen, verwendeten falsche Maße und Gewichte, hielten bestimmte Fristen bei der Steuereinziehung nicht ein, unterschlugen Steuern, quälten und folterten Provinzialen oder begünstigten Personen, indem sie ihnen Steuernachlässe oder Immunität gewährten.</p>
<p>Allgemein lässt sich sagen, je weiter man von Rom weg kam, umso stärker wurde die Korruption und desto normaler wurden korrupte Praktiken. Das liegt vor allem an der starken Zentralgewalt Roms, welche enorme Probleme hatte, die Provinzen des Reiches zu überwachen und zu verwalten. Den Kaisern dienten zur Verwaltung der Provinzen quasi nur ihre Magistrate. Sie regelten den größten Teil der Angelegenheiten in den Provinzen selbst und waren die vom Kaiser gesandten, direkt dem Kaiser unterstellten Staatsdiener. Genau an dieser Stelle kam es zu großen Problemen, weil der Kaiser nicht überall sein konnte, um seine Untergebenen zu kontrollieren und diese, in der Regel, alles andere als ehrliche Untergebene waren.<a href="#_ftn20">[20]</a></p>
<p>„Die Kaiser entsandten Statthalter in die Provinzen, um ihrer Autorität Geltung zu verschaffen. Auf ihnen ruhte letzten Endes die Verantwortung, den Willen und die Interessen der kaiserlichen Zentralgewalt gegenüber der Bevölkerung in die Tat umzusetzen und nach Möglichkeit zu realisieren.“<a href="#_ftn21">[21]</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Magistrate </strong></p>
<p>Ein Magistrat (<em>lat. Magistratus: Obrigkeit</em>) ist ein Kollektivorgan an der Spitze der Verwaltung einer Stadt. In der Antike war Magistrat die Bezeichnung von verschiedenen Ämtern, die in der Regel vom Volk vergeben wurden (Archon, Prätor, etc.). Man trennte dabei die Magistrate in niedrige Magistrate (Quästor, Tribunat), deren Machtbefugnis als <em>„potestas“</em> bezeichnet wurde und in höhere Magistrate, deren Macht <em>‚imperium’</em> genannt wurde. Höhere Beamte durften mit Volk und Senat in Verhandlungen treten, gegen niedere Beamte vorgehen und Verhaftungen vornehmen. Während der Amtsperiode genossen sie Immunität, erst danach durften Magistrate für ihre Handlungen zur Verantwortung gezogen werden. Allerdings konnte nach Ablauf der Amtsperiode das <em>‚imperium’</em> von Konsuln und Praetoren<em> </em>verlängert werden zu so genannten <em>‚Promagistrate’.</em> Seit den Reformen des Sulla erfolgte diese Verlängerung regulär (<em>prorogatio</em>), damit Proconsuln und Propraetoren die Verwaltung einer Provinz übernehmen konnten.<a href="#_ftn22">[22]</a> Im Grunde genommen bedeutete dies nichts anderes, als das höhere Beamte in der Regel keine Konsequenzen für ihr Handeln befürchten mussten, da sie während ihrer Amtszeit Immunität besassen und sich ihre Amtszeit meist auf Lebzeit ausweitete. Die Kaiser beklagten ihrerseits immer wieder den Schacher mit Ämtern. Umso verwunderlicher ist es, dass sich ihre Maßnahmen gegen den Käufer des Amtes richteten und nicht gegen den Verkäufer. Diese Maßnahmen und diese Akzeptanz sind nur so zu erklären, dass die Kaiser einen gewissen Nutzen aus dem Kauf von Ämtern und den sich daraus ergebenden unkorrekten Amtshandlungen zogen.<a href="#_ftn23">[23]</a></p>
<p>Im Hinblick auf Korruption ist nun weiterhin interessant, dass die Besoldung der Magistrate unterschiedlich<strong> </strong>ablief.<strong> </strong>Ein gravierender Unterschied bestand in der Besoldung der städtischen und der staatlichen Magistrate. Die städtische Verwaltung war eine Honoratiorenverwaltung, was so viel hieß, dass diese Magistrate ihre Tätigkeiten unentgeltlich ausübten und für die Übernahme eines Amtes noch eine <em>summa honoraria </em>bezahlen mussten, während dessen die staatlichen Amtsträger Gehalt empfingen. Die städtischen Magistrate mussten also Geld aufbringen, um ein Amt überhaupt erst ausführen und übernehmen zu dürfen, was wiederum dazu führte, dass es in einigen Provinzen des Reiches zu einem Mangel an städtischen Magistraten kam. Dies veranlasste den Kaiser dazu, etwaige Ämter obligatorisch zu machen. Eine weitere Auswirkung war, dass die städtischen Magistrate infolgedessen besonders freudige Empfänger von Schmiergeld Zahlungen waren.</p>
<p>„Aus Antiochia ist bekannt, dass die Kuriale Pherenikos, der im Auftrage des <em>comes Orientis</em> die Bäcker überwachte, nur bei denen falsche Gewichte entdeckte, die ihn nicht mit Geld bestochen hatten.“<a href="#_ftn24">[24]</a></p>
<p>Allein aus der Tatsache heraus entstanden die verschiedensten Probleme, vor allem in abgelegenen Provinzstädten.<strong> </strong>Es führte z.B. dazu, dass sich diese Honorar Magistrate noch andere Betätigungsfelder suchten und/oder sich bestechen ließen.<a href="#_ftn25">[25]</a> Weiterhin führte dies dazu, dass sich durch den Kauf von Ämtern, Familien ganze Städte einverleiben konnten. Je schwächer die Finanzen einer Stadt waren, umso mehr konnten einzelne, vermögende Familien die Besetzung wichtiger Ämter und Positionen für sich bestimmen. Folglich kam es stellenweise dazu, dass in verschiedenen Provinzen, ganze Städte von Familien Clans geführt und kontrolliert wurden.</p>
<p><strong>Die Adäration</strong></p>
<p>Ein weiteres Korruptionsproblem in der Spätantike war die Adäration<strong><em>.</em></strong> Die Adäration ist ein <em>Terminus technicus</em> des spätantiken Steuer- und Besoldungswesens und bedeutet die Umwandlung von Naturalleistungen, die seit dem 3. Jh. n.Chr. weite Bereiche der Steuer- und Besoldungswesens durchdrungen hatten, in Geldzahlungen.<strong> </strong>Dabei sind zwei Arten der Adäration zu unterscheiden: die Steueradäration und die Verteilungsadäration.<a href="#_ftn26">[26]</a> Dieses Verfahren war korruptionsträchtig, weil es aufgrund der Instabilität der spätantiken Agrarproduktion und der Nahrungsmittelpreise den staatlichen – zivilen wie militärischen Funktionären – die Möglichkeit zu Spekulationsgeschäften eröffnete. Ferner bot es Gelegenheit zu erpresserischen Forderungen mit Hilfe willkürlich festgelegter, überhöhter Adärationssätze.<strong> </strong></p>
<p>„Das Korruptionspotential dieser Adärationsverfahren ergab sich aus dem starken Schwanken der Agrarpreise infolge struktureller Schwächen der antiken Landwirtschaft, vor allem aus ihrer großen Anfälligkeit für katastrophale Missernten. Diese Adärationskorruption führte zu einer Bereicherung der Amtsträger bzw. Offizieren durch Spekulationsgeschäfte, wie sie auch auf dem privaten Sektor in der Spätantike oftmals bezeugt sind, wenn etwa Privatleute Getreide horten und eine Nahrungsmittelknappheit abwarten, um es dann zu hohen Preisen zu verkaufen.“<a href="#_ftn27">[27]</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Korruption in der Provinz Afrika </strong></p>
<p>Die Provinz Afrika soll hier nun genauer untersucht werden und als Paradebeispiel dienen. Die <em>‚provincia africa’</em> (provincia = Amtsbereich, in Fläche gedacht) wurde mehr oder weniger in den ersten beiden Punischen Kriegen (264 v.Chr. – 201 v.Chr.)<strong> </strong>für Rom beansprucht und im dritten Punischen Krieg 146 v.Chr. endgültig romanisiert.<a href="#_ftn28">[28]</a> Die afrikanische Provinz war eine kaiserliche Provinz und unterstand somit der ganzen Aufmerksamkeit des Kaisers. Seit Augustus kam es zu dieser Art von Trennung der Provinzen. Die Provinzen wurden in senatorische Provinzen und in Provinzen des römischen Volkes, der ‚populi romani’ unterteilt. Die Statthalter aus dem Senatorenstand, die mittels eines Losverfahrens bestimmt wurden und jene Provinzen verwalteten, die nicht dem Kaiser unterstellt waren nannte man ‚<em>proconsules’</em>.<a href="#_ftn29">[29]</a> Die ‚<em>populi romani</em>’ waren dem Kaiser persönlich unterstellt. Zu diesen zählten Provinzen, welche dem Kaiser am wichtigsten waren und die als politisch brisant einzustufen waren. Die <em>‚provincia africa’ </em>war eine von sieben <em>‚populi romani’</em>. Allerdings gab es nicht wirklich eine klare Trennung zwischen den senatorischen Provinzen und den kaiserlichen Provinzen, da die Kompetenzen zwischen Kaiser und Senat nicht klar abgegrenzt waren.<a href="#_ftn30">[30]</a></p>
<p>Jedenfalls spätestens seit dem Ende der punischen Kriege 146 v. Chr. fiel Afrika in die Hände der Römer. Unter Caesar wurde Numidia dann auch annektiert und zur <em>‚africa vetus’</em> und <em>‚africa nova’</em>. Augustus fasste diese zusammen und machte daraus die <em>„provincia africa“</em> mit der Hauptstadt Karthago. Hauptanbau der Provinz war Weizen, welcher 2/3 des Weizenbedarfs von Rom deckte.</p>
<p>„Das römische Afrika, das sich so lange einer Friedenszeit rühmen konnte, wurde von Berberstämmen bedroht. Der Konflikt hatte sich schon lange angebahnt. Bereits vor dem Regierungsantritt Valentinianus waren einige Städte von organisierten Plünderern heimgesucht worden.</p>
<p>Die Bewohner erflehten vom Militärkommandanten Romanus ein sofortiges Eingreifen. Dieser wollte allerdings nur dann anrücken, falls zuerst grössere Summen in seine eigene Tasche flossen. Die Städte waren nicht in der Lage die geforderte Summe aufzubringen und schickten anlässlich des Regierungswechsels 364 eine Gesandtschaft mit einem Protestbrief zum Kaiser.</p>
<p>Doch Romanus konnte sich geschickt herauswinden und beeinflusste eine Untersuchungs- Kommission zu seinen Gunsten. Im Winter 367 fielen die Austorianer in Leptis Magna und die Städte versuchten es mit einer erneuten Gesandtschaft. Der Kaiser schickte seinen Notare Palladius zur Untersuchung der Vorfälle. Doch der wurde von Romanus bestochen und die Bewohner mussten in einem Prozess unter Androhung von Gewalt ihre Anschuldigungen widerrufen.“<a href="#_ftn31">[31]</a><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Probleme der Grenzsicherung durch einfallende Barbarenstämme, Plünderer oder auch Vandalen waren in dieser Zeit im römischen Reich keine Seltenheit.</p>
<p>Korruption stellte einen festen Bestandteil der römischen Gesellschaft dar. Es war für die Kaiser sehr schwer nachvollziehbar, was wirklich in den Provinzen vor sich ging. Viele Gesetze, vor allem auch speziell für den Raum Afrika geben kund, dass gerade in der afrikanischen Provinz enorme Probleme vorhanden waren.<strong> </strong>In den „Codex Theodosius“ gab es viele Gesetze, die speziell für die afrikanische Provinz gelten sollten.</p>
<p>„An die ‚Afrikaner’ gerichtet (ad afros):</p>
<p>Stationarii primipilarium in festen Standorten dürfen (an die Provinzialen) keine Mehrforderungen über das festgesetzte Maß hinaus stellen, keine Kerker (für Verbrecher) unterhalten und nur 2 Pferdeknechte (agasones) aus der Provinz haben und keine zusätzlich aus Numidenien oder anderen Provinzen. Sie dürfen auch sonst niemanden als Gehilfen bei sich haben, der früher schon bei einem stationarius Dienst geleistet hat.</p>
<p>Bei Verstoss droht Todesstrafe.“<a href="#_ftn32">[32]</a></p>
<p>Ohne Zweifel war die Provinz Afrika eine nicht einfach zu regierende Provinz. Infrastrukturelle und geografische Probleme sind allein schon durch die enorme Größe unabänderbar. Das die afrikanischen Provinz sehr wichtig war für Rom, lässt sich einfach begründen. Viel fruchtbares Land und viele wichtige natürliche Ressourcen sprechen für sich. Die Korruption schien allerdings alles auf zu fressen und es kam zu einer unermesslichen Misswirtschaft. Dabei könnte die Tatsache, dass eine Person mehrere Posten ausüben konnte und dies durchaus üblich war, eine wichtige Rolle spielen.<a href="#_ftn33">[33]</a></p>
<p>Weiterhin scheint aber auch die Bevölkerung ein starkes Gefühl für Recht und Unrecht gehabt zu haben, da sie sich schon vermehrt mit geltendem Recht gegen Unrecht zur Wehr setzten. Dies zeigt sich vor allem daran, dass die Kaiser nur von etwaigen Missständen erfuhren, wenn sie darüber informiert wurden.<a href="#_ftn34">[34]</a> Einerseits gab es ein enormes Netzwerk von Ausbeutern, anderseits gab es aber auch eine starke Kraft, die gegen diese Ausbeuter arbeiten wollte. Die römische Gesellschaft war eine Gesellschaft von Seilschaften und Netzwerken, und auch den Afrikanern war der besondere Status ihrer Provinz bewusst. An dieser Stelle muss allerdings klar abgegrenzt werden, dass mit dem Afrikaner keineswegs Bauern gemeint sind, sondern höchstwahrscheinlich Beamte, die allerdings nichts vom großen Kuchen abbekamen. Es standen sich also eher Netzwerke gegen Netzwerke und Seilschaften gegen Seilschaften gegenüber, anstatt Gut gegen Böse, Gerechtigkeit gegen Unrecht. Obwohl höchstwahrscheinlich das unterlegene Netzwerk (Clan, Familie) sich der Gerechtigkeit zu verschrieben schien und in diesem Sinne handelte.</p>
<p>Weiterhin ist zu bedenken, dass etwaige korrupte Praktiken unter Strafe standen. Die meisten Amtsvergehen kamen im Bereich der staatlichen Verwaltung vor, hauptsächlich im Gerichts- und Steuerwesen. Dabei wurden illegale Handlungen aller Art geahndet und reichten von „Rechtsverweigerung, Unterschlagung von Beschwerden, Prozessverschleppung, vorschriftswidrige Behandlung von Angeklagten, unzulässiger Vollstreckung von Strafen bis zu Behinderungen von Appellationen.“<a href="#_ftn35">[35]</a><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Korruption als Phänomen</strong></p>
<p>Bereits 331 beklagte Constantin, dass Stadthalter und ihre Offizialen käuflich geworden seien und kein Gerichtsverfahren mehr ohne die Zahlung von Geldern abliefe. Amtsmissbrauch und Amtspflichtverletzung waren im römischen Reich weit verbreitet und das genaue Ausmaß der Korruption und ihre Entwicklung lassen sich nicht mehr bestimmen.<strong> </strong></p>
<p>Zahlreiche Informationen über Korruption liefern die spätantiken Rechtssammlungen (codics). Fast jedes dritte Gesetz im „Codex<em> </em>Theodosius“ z.B., befasst sich mehr oder minder mit Amtsvergehen irgendwelcher Beamten.<strong> </strong>Diese Gesetzessammlung umfasst grob gesagt 900 Gesetze aus der Zeit von<strong> </strong>313 bis 468 n.Chr, wobei diese Zahlen mehr als Richtwerte zu verstehen sind. Dies bedeutet nicht, dass Korruption in der späten Kaiserzeit und in der Spätantike stärker vertreten war, als in früheren Zeiten. Für die frühe Kaiserzeit fehlen einfach vergleichbare Werke und Quellen.</p>
<p>Gesetzt Konstantins (Codex Theodosianus 10.16, 7):</p>
<p>„Hört jetzt einmal auf, ihr raubsüchtigen Hände der Offizialen, hört auf, sage ich! Denn wenn sie nach dieser Ermahnung nicht aufhören, wird das Schwert sie abhaun. Nicht sei käuflich die Tür des Richters, nicht der Eintritt bezahlt, nicht berüchtigt durch Versteigerung an den Meistbietenden das Gerichtzimmer, nicht sogar der Anblick des Statthalters nur für Geld zu haben&#8230;man unterdrückt die unerträglichen Überfälle der Centurionen und der anderen Offizialen, die Großes und Kleines fordern, und mäßige die unstillbare Geldgier derer, welche den Streitenden die Akten aushändigen&#8230;Denn wenn sie sich im zivilen Rechtsstreit etwas zu fordern erlauben, so wird die bewaffnete Rüge bei der Hand sein, um Kopf und Hals der Schändlichen abzuhauen,[...].“<a href="#_ftn36">[36]</a><strong> </strong></p>
<p>Generell ist davon auszugehen, dass der römische Staat von einer anderen Staatsauffassung und einem anderen Ämterverständnis ausging. Bestimmte Praktiken wie der Ämterkauf wurden gebilligt und als legitim eingestuft. Dieses Selbstverständnis entstand aus einer langen römischen Tradition heraus, aus dem Prinzip des <em>suffragium</em>, was schon in die Zeit der römischen Republik zurückgeführt werden kann.</p>
<p><strong>Das spezielle Ämterverständnis und das Prinzip des suffragium</strong> <strong> </strong></p>
<p>Dieses Selbstverständnis entspringt aus der republikanischen Zeit, aus welcher das Recht überliefert wurde, als Amtsinhaber einen Nachfolger für sein Amt selbst zu bestimmen. In der römischen Republik war dies als ‚<em>suffragium<strong>’</strong></em><strong> </strong>bekannt, was soviel bedeutet wie Führsprache oder auch Ämterkauf.</p>
<p>„Der Käufer eines Amtes zahlte den Betrag entweder an seinen Amtsvorgänger, Dienstgeber, Patron oder an das Gremium, in das er Aufnahme fand. Konnte er die geforderte Summe nicht aufbringen, so fanden sich durchaus Privatpersonen oder Wechsler, die ihm Geld liehen, zumal die Übernahme von Verwaltungsposten finanziellen Gewinn versprach.“<a href="#_ftn37">[37]</a> <strong> </strong></p>
<p>Jeder Amtsinhaber konnte also seinen Amtsnachfolger selber bestimmen. Jeder Kandidat musste dennoch über das vorausgesetzte Grundkapital verfügen. Das Grundkapital allein, reichte aber noch nicht aus, auch die Führsprache oder besser gesagt das nötige Kleingeld zur Bestechung des Amtsinhabers musste vorhanden sein.</p>
<p>Man denke sich z.B., man ist im alten Rom, vielleicht einfacher Beamter und hat über eine „Beziehung“ die Möglichkeit ein hoch dekoriertes Amt zu erwerben, käuflich versteht sich. Ein einfacher Beamter hat nicht das Geld, sich dieses Amt zu kaufen, geschweige denn, den alten Amtsinhaber zu bestechen. Also wird sich dieser Beamte zu einer einflussreichen Person begeben, um sich das Geld von dieser zu leihen. Dieser wiederum leiht ihm das Geld nur unter der Vorraussetzung, auch ein Nutznießer dieses Geschäfts sein zu dürfen. Man hatte demnach immer eine Gegenleistung zu erwarten. Die Folgen des Ganzen sind, dass sich Netzwerke aus Schuldnern und Verleihern, Leihern und Leihenden bildeten. Nicht der, der nur Geld hatte war demzufolge mächtig, sondern der, der die richtigen Leute kannte, um sich Geld zu leihen.</p>
<p>Dieses Prinzip oder auch Ämterverständnis konnte man in ziemlich jeder Epoche des römischen Reiches, bis hoch ins oberste Amt beobachten.<strong> </strong>Selbst die Kaiser bestimmten ihre Nachfolger selbst. Erst die Einführung des Erbrechts veränderte dies und die Kaiser mussten einen Erben einsetzen. Ein interessanter Punkt an dieser Stelle ist, dass durch dieses Gesetz nun nicht mehr ausgewählte Personen die Kaiserwürde erlangten, sondern nach Erbrecht der älteste Sohn. So kam es dann auch, dass ein Kaiser seinen schwachsinnigen Sohn auf den Thron setzen musste, was tragische Auswirkungen auf das römische Reich haben sollte.<strong> </strong></p>
<p>Korruption fand demnach sowohl auf den unteren Rängen, wie auch auf höchster Ebene statt.</p>
<p>„Messalina, die Gattin des Claudius, Vespasian und seine Konkubine Antonia Caenis sowie der Prätorianerpräfekt M. Aurelius Cleander, ein Schützling des Commodus, verkauften u.a. Statthalterschaften und Prokuraturen.“<a href="#_ftn38">[38]</a></p>
<p>Auch an diesem Beispiel zeigt sich, wie tief verankert das republikanische Recht war, seinen Amtsnachfolger selbst zu bestimmen.<strong> </strong>Das Prinzip des <em>suffragium</em>, der Führsprache, ist ein sehr bedeutender Punkt hinsichtlich der Korruption in der späten Kaiserzeit.</p>
<p>Die Führsprache allein ist freilich noch nicht als Korruption anzusehen, allerdings entsteht aus ihr das Prinzip, Geldleistungen für bestimmte Handlungen und Unterlassungen entgegen zu nehmen. Zu republikanischen Zeiten war dies nicht mal moralisch verwerflich.</p>
<p>In der späten Kaiserzeit war das <em>suffragium </em>nicht mehr so selbstverständlich und es standen sich entgegen traditionelle Praktiken und neue Wertevorstellungen.<strong> </strong>Die Führsprache war ein sehr wichtiger Punkt im römischen Reich und Macht besaß der, der die Führsprecher hatte.<strong> </strong>Daraus kann man folgern, dass die römische Gesellschaft weniger leistungsorientiert war.</p>
<p>„Die fachliche Qualifikation der Provinzstatthalter und ihrer Cohortalen? Diese Frage spielte in der damaligen Zeit bei der Vergabe von Verwaltungsposten keine so große Rolle wie heute. Im Gegensatz zur modernen Leitungsgesellschaft entschied in der ständisch denkenden Gesellschaft des römischen Reiches bei der Vergabe von Verwaltungsposten in erster Linie der soziale Status und nicht die fachliche Qualifikation. Herkunft, Erziehung und Vermögen waren wichtige Voraussetzungen für die Übernahme einer Statthalterschaft oder eines (höheren) Cohortalenamtes.“ <a href="#_ftn39">[39]</a><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>So kam es in dieser Zeit zu einer Veränderung der Wertvorstellungen, denn das Prinzip des <em>suffragium</em> wurde, wenigstens von Seiten der Kaiser, nicht mehr voll und ganz akzeptiert und außerdem für die großen Probleme des römischen Reiches verantwortlich gemacht. Die Bekämpfung der Korruption, auch ausgeweitet auf das Prinzip des <em>suffragium</em><strong>,</strong> begann mehr oder weniger in der Zeit, in der auch die Kaiserwürde zum Erbrecht überging. Es ist allerdings sehr fraglich, ob die römischen Kaiser die Korruption und das <em>suffragium</em> aus rein moralischen Aspekten zu bekämpfen versuchten. Viel wahrscheinlicher scheint die Annahme, dass dies aus rein machtpolitischen Zwecken erfolgte, vor allem wenn man sich die Gegenmaßnahmen der römischen Kaiser anschaut. Eine der wichtigsten Gegenmaßnahmen oder Regulierungen bestand in der Schaffung eines Kataloges zur Bestimmung exakter Preise zum Kauf von Ämtern unter Justinian, der 353 n.Chr ein festes Tarifsystem für den Ämterkauf schuf. Seit der republikanischen Zeit bestand das verbriefte Recht einen Amtsnachfolger für sein Amt benennen zu dürfen, um im Gegenzug von seinem Schützling eine Gegenleistung erwarten zu können.<a href="#_ftn40">[40]</a></p>
<p>Doch auch wenn nicht unmittelbar von einem Wertewechsel<em> </em>gesprochen werden kann, fällt auf, dass sich die Betrachtungsweise und der Umgang mit dem Problem/Phänomen der Korruption zu verändern schien.<strong> </strong></p>
<p><strong> </strong><strong>Gegenmassnahmen der spätrömischen Kaiserzeit</strong></p>
<p>In der späten Kaiserzeit würde die Korruption massiv beklagt und versucht, gegen sie vor zu gehen. Vor allem von Kaisern wie Konstantin, Julian und Justinian wurden Gegenmaßnahmen eingeleitet. Die kaiserlichen Konstitutionen richteten sich z.B. gegen Bestechlichkeit, Ämterkauf (Nepotismus), Erpressung, Nötigung, Fernbleiben vom Dienst, Faulheit, Kompetenzüberschreitungen, ungerechtfertigte Steuerforderungen, Prozessverschleppungen und Rechtsbeugungen.<em> </em></p>
<p>Allerdings richteten sich ihre Maßnahmen nicht gegen die Verkäufer, sondern gegen die Käufer.<strong> </strong>Letztendlich akzeptierten aber auch die Kaiser den Ämterkauf, zu mal einige von ihnen selbst davon profitierten. Demnach wurde sogar offiziell zwischen gekauftem und erworbenem Amt unterschieden, somit wurden gekaufte Ämter legitimiert.<strong> </strong></p>
<p>Im Jahre 394 n.Chr. gestattete Theodosius dann weiterhin, dass für die Übernahme eines Amtes versprochene Gelder oder Vermögenswerte eingeklagt werden konnten<a href="#_ftn41">[41]</a> und<strong> </strong>535 n.Chr. schuf Justinitian ein festes Tarifsystem, wo festgelegt wurde, wie viel für jeden Posten und wie viel an führende Hofbeamte gezahlt werden musste. Es zeigt sich deutlich an dieser Stelle, dass die Kaiser der hohen Kaiserzeit das Problem erkannten, sich aber ausserstande sahen, dagegen vorzugehen. Zudem hatte Theodosius 394 n.Chr. gesetzlich festgelegt, dass versprochene Gelder oder Vermögenswerte für die Übernahme eines Amtes eingeklagt werden konnten.<a href="#_ftn42">[42]</a></p>
<p>Sie bürokratisierten also den Ämterkauf, der infolgedessen auch in der Kaiserzeit zu einem wichtigen Bestandteil des Verwaltungssystems wurde.<strong> </strong></p>
<p>„Den Amtsmissbrauch versuchte man nicht mit irgendwelchen Veränderungen im Verwaltungssystem entgegenzuwirken, sondern man setzte auf die abschreckende Wirkung hoher Strafen.“<a href="#_ftn43">[43]</a> (Grundlage lex Julia repetundarum, Caesar 59 v.Chr.)</p>
<p>Doch es zeigt sich auch, dass sich in der späten Kaiserzeit und in der Spätantike der Korruptionsbegriff zu verändern schien. Gegen Korruption wurde nicht direkt vorgegangen, aber es wurde versucht, Korruption zu regeln und man kam zu der, dass eine gewisse Schuld der Reichskrise und der generell schlechten Regierbarkeit des Reiches, der Korruption zu geben ist. Der Ämterkauf wurde demnach ‚legalisiert’, was zur Folge hatte, dass die Korruption sich auf diesem Gebiete, zumindest in Rom nahen Gebieten, eindämmte. Das römische Reich war jedoch riesig, und die Kaiser hatten dementsprechend enorme Probleme ihre Gesetzte wirklich in die Tat um zu setzen. Denn letztendlich wurden die Gesetze in Rom gemacht und nicht in den Provinzen. Die Entfernungen waren gewaltig, was schon an den Weiten innerhalb Italiens zu erkennen war. Für Statthalter und Cohortalen war es sehr mühsam, zeitraubend und auch nicht unriskant, alle Landstriche ihres Amtsbezirkes aufzusuchen. So war es insbesondere in Notzeiten, wie z.B. während der Germaneneinfälle in Italien keine Seltenheit, dass sich bestimmte Gebiete ihrem Zugriff entzogen.<a href="#_ftn44">[44]</a> Was dies für noch weiter entfernte Provinzen zur Folge hatte, wie etwa Afrika, expliziert sich von selbst.</p>
<p>In den Provinzen herrschten die Magistrate und die Proconsule, die in vielen Fällen fast schon mit Souveränen gleich zusetzen waren. Aber auch in den Provinzen, denen sich der Kaiser mit höchster Aufmerksamkeit widmete, wie z.B. der afrikanischen Provinz, lief es nicht anders. Dafür waren die Entfernungen von Rom zu groß. Als Beispiel betrachte man sich die Entfernung von Rom bis zur Provinz Hauptstadt von Afrika, Karthago, die mit ca. 450 km über See noch sehr gering ausfiel.<a href="#_ftn45">[45]</a> Allerdings hat man dann lediglich die Provinzhauptstadt erreicht. Städte wie z.B. Caesarea ereichte man nur über dem beschwerlichen Landweg, wie so gut wie alle anderen afrikanischen Städte auch. Die Entfernungen im römischen Reich und der damalige, technische Standard machten eine Regierbarkeit auf Dauer für einen Alleinherrscher fast unmöglich. Umso imposanter erscheint, dass sich das römische Reich trotz alledem so viele Jahrhunderte behaupten konnte, was größtenteils auch auf die Unkoordiniertheit der römischen Gegner zurück zuführen ist.</p>
<p><strong>Prozesse und Strafen gegen Korruption</strong></p>
<p>Der zusammenfassende Überblick über die Gegenmaßnahmen der Kaiser gliedert sich demnach in Strafen und Maßregeln der Besserung und Sicherung und in vorbeugende Maßnahmen.<a href="#_ftn46">[46]</a> Das römische Imperium setzte vor allem auf hohe Strafen als Abschreckung. Die Liste dazu ist lang und reicht von der Geldstrafe bis hin zur Androhung der Todesstrafe. Grundlage hierfür war die <em>Lex Julia repetudtarum</em><em> </em>aus der Zeit Caesars (59. v.Chr.), welche in modifizierter Form auch noch zur Zeit Justinians (527 – 565 n.Chr.) galt. Diese richtete sich gegen die Erpressung und Ausbeutung von Provinzialen und verbot die persönliche Bereicherung.<a href="#_ftn47">[47]</a><strong> </strong></p>
<p>Beispiele für Prozesse gegen Korruption sind nur wenige bekannt. Vor allem die späte Kaiserzeit bietet an dieser Stelle nur wenige Aufzeichnungen. Was sich als sehr widersprüchlich erweist, da diese Zeit doch so massiv, im Gegensatz zu anderen Zeiten im römischen Reich, gegen Korruption zu kämpfen schien. Wie bereits an obere Stelle ausgeführt (S.15), wurde mehr auf die „Legitimierung“ bestimmter Praktiken, wie dem Ämterkauf Wert gelegt. Im Jahre 12 n.Chr allerdings wurde der Prokonsul von der Provinz Asia, Volesus Messala angeklagt, an einem Tag über 300 Menschen mit dem Beil hingerichtet zu haben und sich anschließend in aller Öffentlichkeit mit dieser Tat rühmte. Weiterhin wurde Marius Priscus, den Prokonsul von Africa, beschuldigt um 100 n. Chr. die Provinzialen, Geld für die Verurteilung Unschuldiger genommen zu haben. Die Verbannung eines Ritters und die Hinrichtung von sieben seiner Freunde ließ er sich mit 300000 Sesterzen, die mehrfache Bestrafung eines anderen Ritters, mit 700000 Sesterzen bezahlen.<a href="#_ftn48">[48]</a></p>
<p>Angeklagte in Korruptionsverfahren mussten mit einer hohen Bestrafung rechnen, wenn sie verurteilt wurden. Grundlage hierfür bot das <em>Lex Julia repetudtarum</em>, welches Caesar 59 v.Chr. erlassen hatte und sich gegen die Erpressung und Ausbeutung von Provinzialen richtete und die persönliche Bereicherung verbot. Theoretisch konnten die Provinzialen seit 4 v.Chr. bei Repetundenverfahren die Todesstrafe fordern.</p>
<p>Üblich waren aber eher Verbannungen, wobei im römischen Reich zwischen zwei Arten von Verbannungen unterschieden wurde. Zum einen die Relegation und zum anderen die Deportation. Während die Relegation zeitlich begrenzt war, war die Deportation lebenslänglich und hatte die Konfiskation des Vermögens und den Verlust der Bürgerrechte zur Folge. Diese hohe Bestrafung wurde vornehmlich in Majestätsprozessen ausgesprochen.<a href="#_ftn49">[49]</a></p>
<p>In den Strafandrohungen der Spätantike kamen Verbannung, Todesstrafe oder Absetzung</p>
<p>und Entlassung nur noch selten vor. In den meisten Fällen kam es zu Geldstrafen, die</p>
<p>zwischen 5 bis 100 Pfund Gold reichten und damit an das Jahresgehalt eines Prätorianerpräfekten heranreichten.</p>
<p><strong>Soziale Ursachen von Korruption im römischen Reich</strong></p>
<p>Die Theorien Schullers der sich überlagernden Verhaltensmustern scheint im Falle des römischen Reiches sehr schlüssig zu sein. Vor allem die Zeit des Übergangs von der spätkaiserlichen Zeit bis hinein in die Spätantike, weißt eine enorme Veränderung der Verhaltensweisen auf.<a href="#_ftn50">[50]</a> Es kamen neue Wertvorstellungen auf, allerdings von ganz oben, die sich mit den alten Wertvorstellungen überlagerten. Problematischer Weise waren diese neuen kaiserlichen Wertvorstellungen kontraproduktiv.<strong> </strong>Das System der Führsprache ist hierbei als Schlüssel anzusehen. Vor allem standen sich Befürworter der alten traditionellen Gesetzeslage gegenüber, indem es nicht verwerflich schien, Geldleistungen für gewisse Handlungen oder Unterlassungen anzunehmen. Auch die Einverleibung von Ämtern wurde mehr als ein privates Geschäft angesehen, als eine öffentliche Angelegenheit. Nun kann man auch an dieser Stelle davon ausgehen, dass etwaige Beamten keineswegs bewusst besonders traditionell gedungen waren. Für sie war lediglich die Aufrechterhaltung ihrer Netzwerke und Seilschaften interessant. Von einer anderen Seite her betrachtet, kann man auch nicht von einer moralisch, ausgelegten Handlung Seitens der Kaiser sprechen. Sie versuchten lediglich, Korruption zu bekämpfen und den Ämterkauf zu regulieren. Auch hierbei spielt Machtkalkül eine wichtigere Rolle, nämlich als moralische Verpflichtung. Die Kaiser waren darauf bedacht, ihre Macht zu erhalten und ihrerseits die Netzwerke ihrer Gegner nicht mächtiger werden zu lassen, als die ihren. Auch dafür benötigten sie viel Geld und Korruption erzeugte enorme Misswirtschaften, was demzufolge weniger Geld in der Kriegskasse bedeutete.</p>
<p>Daher kann man zum einen sagen, dass Korruption in Übergangszeiten besonders stark auftritt, also in Zeiten, in denen sich neue Verhaltensmuster entweder von unten gegen alte bilden, oder sich neue Verhaltensmuster über alte gelegt haben oder gelegt worden sind und sich nicht durchsetzten. Die Ursache der Korruption könnte demnach das Nebeneinander existieren verschiedener Verhaltenssysteme sein, von denen die offiziell nicht akzeptierten meist aus einem existentiellen Bedürfnis heraus resultieren.<a href="#_ftn51">[51]</a> Dieses veraltete und für den römischen Staat existentielle System könnte das System der Führsprache gewesen sein, das <em>suffragium</em>. Dieses wurde von der herrschenden Klasse als veraltet angesehen, von der breiten Bevölkerung allerdings noch praktiziert, wie auch schon in den Jahrhunderten zuvor. Die Kaiser sahen den Schlüssel ihrer schrumpfenden Macht in diesem Prinzip und ihren Auswirkungen. Ob sie ihre schwindende Macht bewusst auf das <em>suffragium</em> zurück führten ist eher unwahrscheinlich, allerdings waren die Auswirkungen, welche unmittelbar die Kaiser betrafen unübersehbar. Mächtige, starke Netzwerke entstanden, denen man in manchen, weit abgelegenen Provinzen schon eine Souveränität zurechnen konnte. Begünstigt durch die starke Korruption, die von diesen Netzwerken (Clans, Familien) selbst verursacht wurden, konnten sich mächtige Clans im ganzen römischen Reich verbreiten und dem Kaiser war es kaum möglich, diesen etwas entgegen zu setzen. Die Regulierung und der damit einhergehende Verdienst am Kauf und Verkauf von Ämtern z.B. war noch die beste Möglichkeit der Machtsicherung, wenn auch nur in Form von Einnahmensicherungen.</p>
<p><strong> </strong><strong>Soziale Ursachen in der Provinzialverwaltung</strong></p>
<p>Eine maßgebliche Ursache für das vermehrte Auftreten von Korruption ist ohne Frage die gewaltige Größe des Reiches. Es war logistisch kaum zu bewerkstelligen als Alleinherrscher die Ordnung im römischen Reich aufrechtzuerhalten. Obwohl es auch in dieser Zeit zu etlichen Reichsteilungen, wenigstens auf verwaltungstechnischer Ebene kam, waren doch immer alle Kaiser darauf bedacht, die Reichseinheit beizubehalten und sich als Alleinherrscher das Reich zu sichern. Auf dem damaligen Stand der Technik muss es eine gewaltige Anstrengung dargestellt haben, mit den verschieden Provinzen in Kontakt zu treten.<strong> </strong>Dementsprechend war die Misswirtschaft, vor allem auch in den weiter entfernten Provinzen enorm hoch. Die römische Verwaltung arbeitete außerdem nicht wie die moderne Verwaltung in Tagen und Wochen, sondern in Monaten und Jahren. Die spätantike Administration verfügte einfach nicht über die technischen Mittel der modernen Zeit, die eine rasche Nachrichtenübertragung und Datenverarbeitung ermöglichten.<a href="#_ftn52">[52]</a></p>
<p>„Die von Symmachus in seiner 40. Relatio berichtete Städte, die sich u.a. wegen der Abwesenheit des Kaisers über mehr als 20 Jahre hinzog, dürfte daher kein Einzelfall gewesen sein.“<a href="#_ftn53">[53]</a></p>
<p>Die Kaiser waren weit weg und sie mussten sich im Grunde genommen auf ihre Vertrauenspersonen verlassen, die keineswegs immer als vertrauenswürdig einzuschätzen waren.<strong> </strong>Was nun vor allem in der späten Kaiserzeit zu einem vermehrten Bewusst werden von Korruption führte, ist die Tatsache, dass die Kaiser im fernen Rom und später dann im noch ferneren Konstantinopel Gesetze erließen, die in den Provinzen gelten sollten. Diese Tatsache steuerte gegen republikanisch, traditionelles Recht und kollabierte mit dem, was der Herrscher wollte. <strong> </strong></p>
<p>„Die Provinzialverwaltung nahm gegenüber den Stadtgemeinden in erster Linie eine Kontrollfunktion ein. Auf ihren Rundreisen durch die Provinzen überprüften die Statthalter die ordnungsgemäße Eintreibung der Steuer, sowie den Erhaltungszustand der Staatstraßen, Poststationen und öffentlichen Gebäuden.“<a href="#_ftn54">[54]</a></p>
<p>Generell<strong> </strong>ist demnach davon auszugehen, dass man im römischen Reich ein prinzipiell anderes Ämterverständnis besaß. Verwaltungsposten galten allem Anschein nach als private Pfründen, die demzufolge käuflich waren. Selbst die Kaiser gingen dazu über, Ämter zu verkaufen.<a href="#_ftn55">[55]</a></p>
<p>Man kann davon ausgehen, dass Ämter im Sinne unserer heutigen, modernen Welt, in Rom nicht existierten. Für die Römer waren Ämter vor allem private Pfründe, die es auch privat zu regeln galt.<strong> </strong>Für sie waren es private Besitztümer, über die man verfügen konnte, die man verkaufen oder kaufen durfte.<strong> </strong></p>
<p><strong>Schlusswort</strong></p>
<p>„Korruption ist der Feind der Gesellschaft  und der Marktwirtschaft, was noch hinzu zufügen ist, dass es keine vernünftige Bekämpfung der Korruption geben kann, wenn in den Behörden und Unternehmen keine gegen die Korruption gerichtete Ethik vorgelebt wird.“<a href="#_ftn56">[56]</a></p>
<p>Dieses stellt eine sehr moderne Auffassung von Korruption dar, erweist sich dennoch als sehr zutreffend in Bezug auf die Probleme mit Korruption im römischen Reich der späten Kaiserzeit und der Spätantike. Die Korruptionsbekämpfung war halbherzig und startete nicht im Kopf, also auf der moralischen Ebene, sondern auf der finanziellen, was wiederum den Anschein der Bereichung auf Seiten der Kaiser nicht entkräften konnte. Eingangs lässt sich demnach die These eines Wertewandels in der Spätantike revidieren, da sich herausstellte, dass die Bekämpfung der Korruption in der Spätantike keineswegs aus moralischen Gründen entstand, sondern schlicht und ergreifend der Machtsicherung der römischen Kaiser diente. Es konnte aus Mangel an Quellen auch nicht bewiesen werden, dass die Korruption vermehrt in der späten Kaiserzeit und in der Spätantike auftrat. Allerdings nahmen die Unruhen zu und der Reichsfrieden und die römischen Grenzen waren alles andere als sicher.</p>
<p>Eine mutige These an diesen Punkt wäre, dass die oben beschriebenen Netzwerke und Seilschaften zu dieser Zeit so mächtig geworden sind, dass die Kaiser nun auch auf dem offiziellen Weg etwas zu unternehmen gedachten, ihre Macht zu sichern. Machtintrigen haben eine lange Tradition im römischen Reich und viele Kaiser, gerade zu dieser Zeit, starben nach Verrat und durch Palastintrigen. Die Kaiser der Spätantike bekämpften die Korruption stärker als zu anderen Zeiten im römischen Reich. Vor allem die Misswirtschaften in den Provinzen waren enorm, was sich dementsprechend deutlich auch in den ‚Staatseinnahmen’ der Kaiser widerspiegelte. Die Bekämpfung und Regulierung der Korruption und der Ämtervergabe geschah demnach einzig und allein aus machtpolitischen Gründen und vor allem, um die Gegner des Kaisers nicht noch mächtiger werden zu lassen. Bei der Bewertung von Korruption ist weiterhin zu bedenken, dass Korruption keine feste Größe darstellt, sondern die Auffassung über sie in den verschiedenen Geschichtsepochen schwankt.</p>
<p>Um zum Titel der Untersuchung zurück zu finden ist eindeutig herauszustellen, dass Korruption ein enormes Problem innerhalb der Provinzialverwaltung darstellte. Die Ursachen darin liegen vor allem in der gewaltigen Größe des Reiches. Die Bewältigung des Raumes war auf dem damaligen Stand der Technik kaum zu bewerkstelligen. Die Kommunikationswege waren zu lang, was die Kontrolle unglaublich erschwerte. Vor allem das Beamtentum bedurfte einer starken Kontrolle, denn dies galt gemeinhin als sehr korrupt, was alleine ein Blick auf die Gesetzessammlungen „codex Theodosianus“ bestätigt. In diesem befasst sich fast jedes dritte Gesetz – das sind rund 900 Erlasse in der Zeit von 313 bis 468 n.Chr.– mehr oder weniger mit Amtspflichtverletzungen. Für die Korruption gilt grundsätzlich, dass sie dazu dient, die eigenen Interessen und Bedürfnisse zu befriedigen. Korruption ist ein Phänomen, das jeder Form von Verwaltung inhärent ist. Die Grenzen der Korruption sind ebenso schwer feststellbar, wie sich – auch in der heutigen Zeit – ihr Ausmaß kaum genau erfassen lässt.</p>
<p>Die ‚Vertrauten’ des Kaisers in den Provinzen waren meist schon fast Alleinherrscher und verhielten sich dementsprechend. Dies bedeutete, dass eine starke Zentralgewalt einerseits zu zentralisieren versuchte, gleichzeitig aber auch durch Verwaltungsreformen und Machtteilungen zu dezentralisieren versuchte. Das besondere Ämterverständnis der römischen Gesellschaft besteht vor allem in der Privatisierung des öffentlichen Sektors.</p>
<p>Eine entscheidende Frage ist, ob Korruption an der Entfernung zu Rom zu messen war oder auch an der Qualität der Verwaltungsbeamten zu messen ist? Waren römischen oder italienische Beamte besser ausgebildet als z.B. afrikanische Beamte? Hatten die italienischen Beamten ein stärkeres moralisches Ehrgefühl, was sich gegen Korruption aussprach oder waren sie einfach nur räumlich näher am Kaiser gelegen und konnten somit stärker überwacht werden?</p>
<p>Festgestellt wurde, dass auf die Qualität (Kompetenz) der Verwaltungsbeamten im römischen Reich weniger Wert gelegt wurde. Von größerer Wichtigkeit waren soziales Ansehen, Herkunft und Stellung. Die römische Gesellschaft zu dieser Zeit und zu allen Zeiten, war ‚ständisch’ orientiert. Offenkundig ergeben sich allein aus dieser Tatsache enorme verwaltungstechnische Probleme. Erst ab einem bestimmten Beamtenrang wurde überhaupt eine Auslese vorgenommen.</p>
<p>Weiterhin lässt sich sagen, dass das Verständnis der Führsprache im Kerngebiet der ehemaligen römischen Republik tiefer verankert war, als dies womöglich in den Provinzen der Fall war, wo es dann auch nicht selten vorkam, dass nicht das römische Recht alleine Anwendung fand, sondern so genannte Mischrechte. Viele Faktoren spielten eine Rolle, die das Problem der Korruption in der späten Kaiserzeit und in der Spätantike in den Provinzen des römischen Reiches beflügelte. Vor allem sahen sich die Kaiser dieser Zeit vielen Problemen an allen Enden des Reiches ausgesetzt, welche sich durch die Korruption nur noch verschlimmerte. Wahrscheinlich kam es nur zu vermehrten Gegenmaßnahmen in dieser Zeit, weil die römischen Kaiser schlicht und ergreifend Geld brauchten, um ihre Feldzüge zu bezahlen und Korruption in vielen Provinzen unendliche Summen zu verschlingen schien. Die Misswirtschaften betrafen Rom direkt, was sich am Beispiel der Provinz Afrika sehr deutlich zeigte, welche 2/3 des Weizenbedarfs Rom stellte.</p>
<p>Die römischen Kaiser der Spätantike taten demnach gut daran etwas zu unternehmen, auch wenn sich diese Gegenmaßnahmen nicht mehr als sehr hilfreich erwiesen. Korruption und korruptes Handeln war nicht moralisch verwerflich im römischen Reich. So gesehen hat es Ähnlichkeit mit dem Prinzip des Stärkeren, wobei im römischen Reich der Stärkere der war, der die Führsprache hatte. Macht demjenigen der Mächtige kannte und kontrollierte, denn:</p>
<h1><em>„Pecunia non olet“</em></h1>
<p align="right">Kaiser Vespian ( 70 n.Chr.)</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Bayer (1989:213).</p>
<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Vgl. Schönfelder (2002:131f).</p>
<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Vgl. Schuller (1982:15).</p>
<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Vgl. Schönfelder (2002: 151f.).</p>
<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 181).</p>
<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> Siehe Anhang: Karten 1 und 2.</p>
<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Vgl. Bringmann (1998: 88ff.).</p>
<p><a href="#_ftnref8">[8]</a> Vgl. Kuhoff (1979: 68).</p>
<p><a href="#_ftnref9">[9]</a> Bringmann (1998: 91).</p>
<p><a href="#_ftnref10">[10]</a> Ebd. (1998: 98).</p>
<p><a href="#_ftnref11">[11]</a> Vgl. Bringmann (1998: 99).</p>
<p><a href="#_ftnref12">[12]</a> Vgl. Schuller (2004: 169).</p>
<p><a href="#_ftnref13">[13]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 192).</p>
<p><a href="#_ftnref14">[14]</a> Vgl. Schuller (2004: 170).</p>
<p><a href="#_ftnref15">[15]</a> Vgl. Bringmann (1998: 103).</p>
<p><a href="#_ftnref16">[16]</a> Vgl. Schuller (2004: 171).</p>
<p><a href="#_ftnref17">[17]</a> Dieser ging in die Geschichte als Konstantin der Große ein, vgl. Schuller (2004: 171).</p>
<p><a href="#_ftnref18">[18]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 180).</p>
<p><a href="#_ftnref19">[19]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 183).</p>
<p><a href="#_ftnref20">[20]</a> Vgl. Ausbüttel (1988: 23).</p>
<p><a href="#_ftnref21">[21]</a> Ebd. (1988: 85).</p>
<p><a href="#_ftnref22">[22]</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cursus_honorum">http://de.wikipedia.org/wiki/Cursus_honorum</a>, 25.03.2007 15:16 Uhr.</p>
<p><a href="#_ftnref23">[23]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 181).</p>
<p><a href="#_ftnref24">[24]</a> Ebd. (1998: 186).</p>
<p><a href="#_ftnref25">[25]</a> Vgl. ebd. (1998: 186).</p>
<p><a href="#_ftnref26">[26]</a> Vgl. Schuller (1982: 163ff.).</p>
<p><a href="#_ftnref27">[27]</a> Kolb (1982: 173).</p>
<p><a href="#_ftnref28">[28]</a> Selbstverständlich vollzog sich der Romanisierungsprozess in Afrika nicht sofort. Sie vollzog sich aber vergleichsweise schnell, in etwa 3 Generationen.</p>
<p><a href="#_ftnref29">[29]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 29).</p>
<p><a href="#_ftnref30">[30]</a> Vgl. ebd. (1998: 30).</p>
<p><a href="#_ftnref31">[31]</a> <a href="http://www.imperiumromanum.com/personen/kaiser/valentinianus1_04.htm">http://www.imperiumromanum.com/personen/kaiser/valentinianus1_04.htm</a>, 26.03.2007, 15:00 Uhr.</p>
<p><a href="#_ftnref32">[32]</a> Noethlichts (1981: 118).</p>
<p><a href="#_ftnref33">[33]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 181).</p>
<p><a href="#_ftnref34">[34]</a> Siehe Beispiel Fußnote 30</p>
<p><a href="#_ftnref35">[35]</a> Ausbüttel (1998: 182).</p>
<p><a href="#_ftnref36">[36]</a> Schuller (1997: 168).</p>
<p><a href="#_ftnref37">[37]</a> Ausbüttel (1998: 181).</p>
<p><a href="#_ftnref38">[38]</a> Ebd. (1998: 180 f.).</p>
<p><a href="#_ftnref39">[39]</a> Ausbüttel (1988: 199).</p>
<p><a href="#_ftnref40">[40]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 180).</p>
<p><a href="#_ftnref41">[41]</a> Vgl. ebd. (1998: 180 f.).</p>
<p><a href="#_ftnref42">[42]</a> Vgl. ebd. (1998: 180 f.).</p>
<p><a href="#_ftnref43">[43]</a> Ebd. (1998: 184).</p>
<p><a href="#_ftnref44">[44]</a> Vgl. Ausbüttel: (1988: 199).</p>
<p><a href="#_ftnref45">[45]</a> Siehe Anhang: Karte 3.</p>
<p><a href="#_ftnref46">[46]</a> Vgl. Noethlichs (1981: 222).</p>
<p><a href="#_ftnref47">[47]</a> Vgl. Ausbüttel (1998: 184).</p>
<p><a href="#_ftnref48">[48]</a> Vgl. ebd. (1998: 184).</p>
<p><a href="#_ftnref49">[49]</a> Vgl. ebd. (1998: 184).</p>
<p><a href="#_ftnref50">[50]</a> Vgl. ebd. (1998: 184).</p>
<p><a href="#_ftnref51">[51]</a> Vgl. Schuller (1982: 11 ff.).</p>
<p><a href="#_ftnref52">[52]</a> Vgl. Ausbüttel (1988: 199).</p>
<p><a href="#_ftnref53">[53]</a> Ebd. (1988: 199).</p>
<p><a href="#_ftnref54">[54]</a> Ebd. (1988: 230).</p>
<p><a href="#_ftnref55">[55]</a> Vgl. ebd. (1988: 202).</p>
<p><a href="#_ftnref56">[56]</a> Mager (2002: 46).</p>
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		<title>Que podría ser un efecto de la filosofía</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Apr 2011 19:04:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Que podría ser un efecto de la filosofía. Esta pregunta no hubiera existido por unos siglos pero hoy esta pregunta es mas presente que nunca. Por ejemplo en los siglos XIIX  y XIX filosofía tenía un efecto en su mismo. Filosofía existía sin deuda a lado de las otras ciencias. Y más filosofía era la ciencia suprema. Aparte la filosofía no necesitaba un efectivo en efectivo. Lo necesitar de un efecto en efectivo es un fenómeno del capitalismo. Es un efecto de nuestro mundo pragmático.</p>
<p>El problema hoy, con las ciencias es, que las ciencias van a clasificar en rentable y efectiva y en práctica o teorética. Rentable y efectiva son por ejemplo economía, mercado técnico y ciencias como admiración, ingeniera, etc. Estas ciencias tienen un efecto claro y visible. Estas ciencias tienen un efecto y son rentables por que se producen cosas para el mundo técnico. Al fin ellas producen dinero o al menos personas que producen dinero.</p>
<p><span id="more-135"></span>La separación en práctica y teorética se explica para su mismo por que en nuestro mundo actual, practica significa un efecto en efectivo. Hoy practica significa rentable en nuestro mundo de capitalismo real y teorética significa lo contrario por que no produce algo útiles. Pues filosofía es una ciencia teorética y no puede realizar esta pretensión.</p>
<p>Entonces un problema ahora con la filosofía es que ella no tiene, en seguida, un efecto visible y palpable. Facialmente podamos decir que un gran problema de la filosofía actual sea que ella no produzca dinero y cosas rentables. Tampoco la filosofía produzca, en seguida, cosas papables. Filosofía no tiene un efecto en un sistema tan rápido en donde nosotros vivimos. En nuestro mundo de progreso, en general significar dinero, rapidez e investigaciones que se merecen y déjense a usar a más tarde de 10 años. La filosofía va a tener problemas a sobrevivir en este mundo por que ella no esta concepteado para ser rentable en el sistema de capitalismo. También la filosofía no fue concepteado para un mundo en que dinero vale más que conocimiento.</p>
<p>Casi se parece que el mundo de dinero y técnico ha olvidado que sea la filosofía. Mucha gente dice que la filosofía no es una cosa real. Solamente ella sea teorética, “platicas” y nada mas. Pero la misma gente trabaja con machinas y construye por ejemplo paginas de red en un mundo que se llama “cyberworld” y dice esto sea el mundo real.</p>
<p>También una buena pregunta sea porqué el mundo haya olvidado que sea una filosofía. Un punto importante para solucionar esta pregunta es que la filosofía como una ciencia hoy sea más una historia de la filosofía y no una filosofía como anterior. Eso sea un gran problema porque incluso los estudiantes que estudien filosofía generalmente tampoco sepan que sea una filosofía en verdad.</p>
<p>¿Pues pero en, la realidad, como sería un efecto practico de la filosofía hoy?</p>
<p>Un efecto que va a practicar hace milenios es enseñar y dar clase. Pero en este mundo eso no vale directo como un efecto por que tú tomas clase para dar clase. Es un círculo encerado en su mismo y no hay una conexión en el mundo afuera. Pero es un efecto al menos indirecto.</p>
<p>Una cosa podría ser una filosofía para niños. La Filosofía y los conceptos filosóficos como una parte fundamental para la educación de los niños. Esto tendría un efecto al menos indirecto también por que iría a crear una generación de húmanos más sabrosos y a lo mejor ellos podrían encontrar un efecto y una esencia concreta de una filosofía del siglo XXI.</p>
<p>En realidad la filosofía no puede tener un efecto que es tangible en este mundo. Filosofía no esta concepteado para tener un efecto que necesita el sistema del capitalismo. También esto es un problema de todas ciencias humanas porque ellas están concepteadas en un mundo pragmático. Al más la filosofía puede tener un efecto indirecto sobre la educación para mantener el “status Q”. Pero filosofía como anterior, como en el tiempo de Aristóteles esta muerto porque la mayoría de nuestro mundo ha olvidado que es la filosofía. Esto haga una investigación profunda sobre poblemos filosóficos de nuestro mundo actual casi imposible porque dicho prudentemente no hay dinero para investigar en cosas como la Metafísica. En un mundo en que casi solamente vale el tiempo actual, no hay dinero para una cosa más allá.</p>
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		<title>Vergesellschaftungsprozesse James Scotts Diskussion der „hidden“ and „public transcripts“</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Nov 2010 19:35:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vergesellschaftungsprozesse]]></category>
		<category><![CDATA[Certeau]]></category>
		<category><![CDATA[hidden transcript]]></category>
		<category><![CDATA[James Scotts]]></category>
		<category><![CDATA[James Scotts Diskussion der hidden and public transcripts]]></category>
		<category><![CDATA[Vergesellschaftungsprozesse Mahatma Gandhi]]></category>

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		<description><![CDATA[Beziehen sie die Unterscheidung von Taktiken und Strategien bei de Certeau auf James Scotts Diskussion der „hidden“ and „public transcripts“. Wann geht ein Widerstand von Taktik in Strategie über? Inwiefern geht Scott über Elias hinaus?
 
Certeau und Scotts beschreiben in ihren Texten Vergesellschaftungsprozesse, die aus dem Widerstand hervor gehen können und vor allem in einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beziehen sie die Unterscheidung von Taktiken und Strategien bei de Certeau auf James Scotts Diskussion der „hidden“ and „public transcripts“. Wann geht ein Widerstand von Taktik in Strategie über? Inwiefern geht Scott über Elias hinaus?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Certeau und Scotts beschreiben in ihren Texten <strong>Vergesellschaftungsprozesse</strong>, die aus dem Widerstand hervor gehen können und vor allem in einen Widerstand führen. Beide erörtern diesen Punkt, allerdings auf unterschiedlichen Ebenen. Aus diesem Grund unterscheidet Certeau zwischen <em>Taktik</em> und <em>Strategie</em> und Scotts zwischen <em>hidden</em> und <em>public transcripts</em>, obwohl sie beide von Transkriptionen sprechen. Scotts bezeichnet diese nun explizit als <em>transcripts</em> und erörtert an präzisen Beispielen aus der Gesellschaft. Die Argumentationsweise von Certeau hingegen behandelt den Sachverhalt auf soziolinguistischer Basis anhand der Begriffe <em>Taktik</em> und <em>Strategie</em>. In den beiden Formen des Sprachgebrauches liegen für ihn 2 Handlungslogiken verborgen, die entweder taktischer oder strategischer Natur sind (die taktische und die strategische Handlungsweise).<a href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p><span id="more-121"></span><strong>Certeau</strong> unterscheidet nun Taktik von Strategie, indem er der Strategie einen Ort zuschreibt und somit etwas „Eigenes“ und der Taktik nicht. Dieses „Eigene“ macht die Strategie unabhängig von der Zeit und gibt ihr eine Basis, von wo aus sie gegen eine, durch das „Eigene“, etablierte Außenwelt agieren kann. Die Taktik ist ohne Ort, ohne „Eigenes“ und somit auch abhängig von der Zeit. Sie hat nur den Ort des anderen indem sie aufgehen und höchstens teilweise eindringen kann. Ohne sich auf eine Basis beziehen zu können, bleibt ihr nur der Ort des Anderen und das Erhaschen des Augenblicks. Eine Kapitalisierung ihrer Gewinne ist folglich durch diese Schnelllebigkeit auch nicht möglich.<a href="#_ftn2">[2]</a></p>
<p>Das <em>hidden transcript</em> vollzieht sich im Verborgenden. Dem gegenüber spielt sich das <em>public transcript</em> in der Öffentlichkeit ab. Auch bei der Diskussion über die <em>hidden</em> und <em>public transcripts</em>, geht es um die Zuschreibung von einem Ort und folglich von etwas „Eigenem“. Das <em>hidden transcript</em> ist hierbei das, welches keinen Ort besitzt und nur im anderen existiert. Es kann nur im Verborgenden agieren und ist abhängig von der Zeit. Das <em>public transcript</em> dagegen besitzt dieses „Eigene“ und hat somit auch eine Basis, von wo aus sie agieren kann. Als Beispiel ist das Verhältnis zwischen einen Sklaven und seinen Herrn sehr dienlich. Als <em>hidden transcript</em> versteht sich hier die Gesprächsebene der Untergebenen. Dieses tritt nie offen und vor dem Herrn zu Tage. Nur im Schutze.</p>
<p>Gleichgestellter gelangt das <em>hidden transcript </em>zur Verbreitung. In diesem tritt der Wunsch nach Triumph und nach Revange, in Form eines versteckt (<em>hidden</em>) verbreiteten Widerstands, hervor. Das <em>public transcript</em> wiederum, kann den Herrschenden zugeordnet werden. Diese sind Inhaber eines Ortes und können den Diskurs offen führen.</p>
<p>Man kann also die Taktik zu den Unterdrückten und Inhabern des <em>hidden transcripts </em>zu ordnen<em> </em>und die Strategie zu den Herrschenden und Inhabern des <em>public transcripts</em>. Die Sklaven besitzen keinen Ort, sondern existieren nur im Ort ihrer Herren.</p>
<p>Ein Widerstand geht nun von Taktik in Strategie über, wenn die Unterdrückten ihr <em>hidden transcript</em> anfangen publik zu machen und es somit öffentlich verbreiten. Wenn die Taktik anfängt nicht nur in den Ort (Raum) der Strategie einzudringen, sondern selbst einen Ort bildet, dann wird Taktik zu Strategie. Das „Eigene“, welches sich über einen Ort definiert, schafft die Basis für den Widerstand und die Voraussetzung für einen Übergang in einen.</p>
<p><strong>Scotts</strong> diskutiert dies an dem Beispiel der Mrs. Poyer, die in Form einer Klageschrift das <em>hidden transcript,</em> für die Inhaber des <em>public transcripts</em>, übersetzt.<a href="#_ftn3">[3]</a> Sie spricht für alle Inhaber des <em>hidden transcripts</em> und verbreitet in ihrem Namen, die Meinung aller Unterdrückten. In diesem Moment bilden sie selbst einen Ort und verlassen den der Anderen. Sie solidarisieren sich zu einer Einheit und machen ihre Sache (<em>hidden transcript</em>) publik. Ein gutes Beispiel dafür ist Mahatma Gandhi: Er vertrat das <em>hidden transcript </em>von über 650 Millionen Indern und machte es öffentlich. Folglich ist nicht nur eine Solidarisierung nötig, sondern auch eine Persönlichkeit, der ihr <em>hidden transcript</em> vertritt.</p>
<p>An diesem Punkt geht Scott über Elias hinaus. Er schreibt dem Individuum entschieden mehr Bedeutung zu. Die Macht eines Individuums wie zum Beispiel <strong>Mahatma Gandhi</strong> oder Mrs. Poyer, kann eine Gesellschaft und ein Gesellschaftsspiel nachhaltig beeinflussen. Wenn sie es zum Beispiel schaffen würden „a collektive culture product“<a href="#_ftn4">[4]</a> zu erreichen, wie sich Scotts ausdrückt, ist nicht nur ein Umsturz, sondern vielmehr eine Umwälzung von gesellschaftlichen und moralischen Wertvorstellungen möglich. Das heißt, dass ein Individuum dazu in der Lage ist Gesellschaftsprozesse zu beeinflussen, auf das sie sich auf sein zutun hin verändern. Nicht Gruppen sorgen für eine Dynamik in gesellschaftlichen Prozessen, viel mehr die Gruppenführer sind es, die die Veränderungen bringen. Elias dagegen beschreibt seine Gesellschaftsspielmodelle gänzlich unabhängig vom Individuum und lässt dabei die Dynamik die ein Individuum auf  solche Prozesse ausüben kann gänzlich außer betracht.</p>
<p><strong>Literaturverzeichnis </strong></p>
<p>De Certeau, M. (1988). Die Kunst des Handelns. Berlin, Merve. S.21-26 („Taktiken von Praktikern“).</p>
<p>Elias, Norbert. 1970. Spiel-Modelle. In Elias, Norbert: Was ist Soziologie? München: Juventa Verlag, 75-145.</p>
<p>Scott, J. C. (1990). Domination and the Arts of Resistance. Hidden Transcripts. New Haven, Yale University Press. 1-16.</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> De Certeau, M. (1988). Die Kunst des Handelns. Berlin, Merve. S.25.</p>
<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Ebd., S.23.</p>
<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Scott, J. C. (1990). Domination and the Arts of Resistance. Hidden Transcripts. New Haven, Yale University Press. S.7.</p>
<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Ebd., S.9.</p>
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		<title>Zitat des Tages von Tiger Woods</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 17:39:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Tiger Woods]]></category>

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		<description><![CDATA[Für mich kommt das Zitat des Tages von Tiger Woods:
&#8220;Man muss im Leben nichts erreichen, man muss im Leben etwas bewältigen!&#8221;
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Für mich kommt das Zitat des Tages von Tiger Woods:</p>
<p>&#8220;Man muss im Leben nichts erreichen, man muss im Leben etwas bewältigen!&#8221;</p>
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		<title>Valentinstag mal anders!</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 19:21:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophisches zur Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[14. Februar]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof von Terni]]></category>
		<category><![CDATA[Blumen Verliebte Valentinstag Geschichte Hinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[der heilige Valentin]]></category>
		<category><![CDATA[Sonne Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Valentinstag]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Valentinstag gilt allgemein als der Tag der Jugend, der Familie, der Liebenden und des Blumenschenkens.
Weit verbreitet ist der Brauch, den 14. Februar als Gedenktag des heiligen Valentin zu begehen, der in den überlieferten Geschichten einmal als römischer Priester, ein anderes Mal als Bischof von Terni oder als beides gleichzeitig bezeichnet wird. Ihm wurde nachgesagt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Valentinstag gilt allgemein als der Tag der Jugend, der Familie, der Liebenden und des Blumenschenkens.<br />
Weit verbreitet ist der Brauch, den 14. Februar als Gedenktag des heiligen Valentin zu begehen, der in den überlieferten Geschichten einmal als römischer Priester, ein anderes Mal als Bischof von Terni oder als beides gleichzeitig bezeichnet wird. Ihm wurde nachgesagt, Kranke und Verkrüppelte heilen zu können und dass er Blumen an Verliebte verschenkte sowie gegen den staatlichen Willen Trauungen vollzog. Der 14. Februar soll das Datum seiner Hinrichtung gewesen sein.</p>
<p>UND NU??? Wollt ihr mit Euerm Liebsten ne Hinrichtung feiern???</p>
<p>Zur Sonne zur Freiheit, Katja!</p>
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		<title>Avatar – Die Sehnsucht nach dem Naturzustand</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 11:17:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filmkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Avatar]]></category>
		<category><![CDATA[Avatar – Aufbruch nach Pandora]]></category>
		<category><![CDATA[Das kulturelle Streben]]></category>
		<category><![CDATA[Film Avatar]]></category>
		<category><![CDATA[Heimatbaum]]></category>
		<category><![CDATA[Marine Soldat Jack Sally]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Na'vi]]></category>
		<category><![CDATA[Naturzustand]]></category>
		<category><![CDATA[Urzustand]]></category>
		<category><![CDATA[Volks der Omaticaya]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Folgenden finden Sie einen Artikel über den Film Avatar, der viele Menschen, vor allem durch seine opulenten Grafik- Welten, in seinen Bann gezogen hat. Wenn Ihr Orte wie http://de.partypoker.com* liebt, dann wird Euch dieser Film aus den Socken reißen oder ich zitiere: &#8220;&#8230;There is more to the film than just the way it looks [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden finden Sie einen Artikel über den Film Avatar, der viele Menschen, vor allem durch seine opulenten Grafik- Welten, in seinen Bann gezogen hat. Wenn Ihr Orte wie <a title="http://de.partypoker.com/" href="http://de.partypoker.com/" target="_blank">http://de.partypoker.com</a>* liebt, dann wird Euch dieser Film aus den Socken reißen oder ich zitiere: &#8220;&#8230;There is more to the film than just the way it looks and you can discover just what below.&#8221;</p>
<p>Der<strong> Film Avatar</strong> weckt eine große Sehnsucht: Die Sehnsucht nach dem Urzustand, dem Naturzustand. Eins sein mit dem Dasein und mit der Natur. Er präsentiert eindrucksvoll zwei  menschliche Lebenswelten und „Weltanschauungen“: Das kulturelle/ökonomische Streben und das Leben im Einklang mit seiner natürlichen Umgebung.</p>
<p><!--Ads1--></p>
<p><strong>Die Geschichte des Films</strong> ist schnell erzählt: Die Menschheit findet auf einem Mond (Pandora, unbewohnbar für Sie) große Vorkommen eines für Sie wichtigen Rohstoffs. Leider stören in Ihren Augen die Eingeborenen. Durch ein spezielles Avatar Programm soll versucht werden, die Na&#8217;vi zum Umsiedeln und Einlenken zu bewegen. In diesem Programm schlüpfen Menschen als Operator in die Körper von „gezüchteten“ Na&#8217;vi Körpern und geben Ihnen Ihre Seele. So auch der im Rollstuhl sitzende Marine Soldat Jack Sally, der nach dem Tod seines Bruder die Möglichkeit bekommt, ebenfalls einen Avatar zu lenken und letztendlich Mitglied des Volks der Omaticaya wird und Sie im Kampf gegen die Himmelsmenschen anführt.</p>
<p><span id="more-99"></span></p>
<p>Im Film <strong>Avatar – Aufbruch nach Pandora</strong> wird diese quasi Divergenz des menschlichen Seins, auf einen fernen Planeten transferiert und das Leben im Naturzustand auf ein fremdes, naturverbundenes Volk.</p>
<p>In der heutigen zivilisierten und kultivierten Welt gilt das Ideal des Strebens – das Streben nach Zielen, das „Weiterkommen“, immer weiter und weiter. Der Mensch will kulturelle Spuren hinterlassen, eine Marke setzen, dass treibt Ihn an.</p>
<p><!--Ads3--></p>
<p>Die Frage die sich stellt ist, ob das generelle Streben des Menschen eine natürliche Eigenschaft ist oder ob es vielmehr ein kultureller Druck ist, der auf der heutigen Menschheit lastet, Kultur vermehren zu müssen und „Weiter“ zu kommen.</p>
<p>Es stehen sich zwei menschliche Eigenschaften gegenüber: Das kulturelle Streben nach Erkenntnis und Vermehrung von Kultur, welches in der heutigen Zeit, durch die Massenmedien noch beschleunigt wird und der Naturzustand, das Leben im Einklang mit sich und dem was einen Umgibt. Der kultivierte Mensch bezeichnete diesen Typus Mensch gemein hin als Naturvolk. Kultur meint in diesem Fall die Kultivierung des menschlichen Seins, was nicht positiv und nicht negativ gewertet werden soll.</p>
<p>Filme wie der Avatar zeigen auf ganz spezieller Art und Weise, die menschliche Sehnsucht nach diesen Zustand des Daseins und die Zugehörigkeit zu einem Übergeordneten Ganzen, welches sich Körper ungebunden alles allumfassend, all-umgebend entfaltet.</p>
<p>Avatar präsentiert ein Leben frei von Streben. Die Menschen (in diesem Fall Aliens) haben den Zustand so verinnerlicht, dass Sie nicht Streben müssen, Sie Leben/Fühlen Ihn einfach. Sie Streben nicht nach dem Erreichen dieses Zustands, Sie leben einfach in Ihm und verstehen sich als lebend in einem Kreislauf.</p>
<p><!--Ads2--></p>
<p>Zugebenen, im Film Avatar wird dieser menschliche Naturzustand sehr idealisiert und romantisiert. Der Mond Pandora bietet ein quasi  Paradies. Ein Naturvolk eingebettet in diese atemberaubende Landschaft verstärkt wahrscheinlich diese Sehnsucht noch. Der Heimatbaum als symbolische Heimat eines ganzen Volkes, der Baum der Erkenntnis sozusagen.</p>
<p>Natürlich kommen dann auch tagespolitische Themen zu Tage: Die Kriegslust der Amerikaner der vergangenen Jahre wird sehr gut verkörpert durch den leitenden Kommandanten: „Terror bekämpfen wir mit Terror“ wird zustimmend akzeptiert und zum Präventivschlag somit eingewilligt.</p>
<p>Allerdings zeigt sich auch, dass ein gewisses „ökologische Verständnis“ tiefer in das kollektive Bewusstsein der Menschen eingedrungen ist (zumindest zeigt sich das im Film). Selbst diese kriegslüsterne „Firma“ kann es sich nicht mehr erlauben, die Eingeborenen einfach zu Eliminieren, dass Wort „Umsiedeln“ ist im Vordergrund und ein Präventivschlag wird (lediglich) durch die Drohung von Terror bewilligt.</p>
<p>In mir persönlich hat der Film jedenfalls diese Sehnsucht erweckt, eine Sehnsucht nach diesen Naturzustand. Ob ich auch nur einen Tag im Naturzustand überleben würde, ist eine andere Frage. Ob der Mensch überhaupt noch dazu in der Lage ist, seinen kultivierten Zustand einzutauschen gegen einen naturverbundenen, weniger Strebenden Zustand, ist fraglich. Ich bin gespannt, ob es einen nächsten Teil geben wird und wie es weiter gehen wird!</p>
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		<title>Zitat des Tages von Kurt Tucholsky, deutscher Schriftsteller</title>
		<link>http://www.alltags-philosophen.de/2010/01/31/zitat-des-tages-von-kurt-tucholsky-deutscher-schriftsteller/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 15:11:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophisches zur Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[deutscher Schriftsteller]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Tucholsky]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger&#8221; (Kurt Tucholsky)
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger&#8221; (Kurt Tucholsky)</p>
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		<title>Die Inszenierung kultureller Landschaften: Landschaftsmalerei und Naturdarstellung</title>
		<link>http://www.alltags-philosophen.de/2009/12/15/die-inszenierung-kultureller-landschaften-landschaftsmalerei-und-naturdarstellung/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 22:20:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[kulturelle Phänomen Landschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bilderlandschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Die Inszenierung kultureller Landschaften]]></category>
		<category><![CDATA[kultivierte Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaftsmalerei]]></category>
		<category><![CDATA[Naturdarstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Paradigma]]></category>
		<category><![CDATA[Renaissance]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Landschaftsmalerei entwickelte sich von der reinen Darstellung der Natur, hin zur perfekten Inszenierung von kulturellen Landschaften. Es fing an mit der Betrachtung der Natur und dem Erkennen ihrer Schönheit. Man entdeckte den malerischen Charakter in der Natur und das dieser eine spezielle Wirkung auf die menschliche Seele hat. Die „Bilderlandschaften“, die vor allem zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a title="Die Landschaftsmalerei" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Landschaftsmalerei" target="_blank">Landschaftsmalerei</a> entwickelte sich von der reinen Darstellung der Natur, hin zur perfekten Inszenierung von kulturellen Landschaften. Es fing an mit der Betrachtung der Natur und dem Erkennen ihrer Schönheit. Man entdeckte den malerischen Charakter in der Natur und das dieser eine spezielle Wirkung auf die menschliche Seele hat. Die „Bilderlandschaften“, die vor allem zu Zeiten der <a title="Die Renaissance" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance" target="_blank">Renaissance</a> gemalt wurden, waren keine Abbildungen der Natur. Es waren Landschaften, die vom Menschen geschaffen wurden. Es verdeutlicht in gewisser Art und Weise, wie die Menschen die Natur zur Zeit der Renaissance erlebten und wie die Menschen begannen, die Natur überhaupt wahrzunehmen.</p>
<p><span id="more-93"></span></p>
<p><!--Ads1--></p>
<p>Das kulturelle Phänomen Landschaft ist ein Produkt des Menschen. Landschaft ist nichts in der Natur Vorkommendes. Es ist vielmehr von dem Menschen „kultivierte Natur“, das heißt: durch menschliche Arbeit geschaffenes Land. Die theoretische Betrachtung des Phänomens Landschaft begann in der Neuzeit und wurde durch die Landschaftsmalerei ermöglicht. So wie die Renaissance im 19. Jahrhundert als solche benannt und theoretisch behandelt wurde (Jacob Burckhardt), so wurde auch die Landschaft erst viel später zu einem kulturellen Phänomen und zu einem kulturellen <a title="Paradigma" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paradigma" target="_blank">Paradigma</a>.</p>
<p>Die Natur stellt sich in der Landschaftsmalerei entstellt dar. Sie entzieht sich förmlich ihrer Darstellung. Auch wenn man Natur auf dem Bild sieht, ist es dennoch keine Natur. Es ist nicht die Natur, die wir sehen, sondern viel mehr das, was der Maler in ihr sieht, wahrnimmt und somit zeichnet. Die meist so phantastisch, kreierten Landschaften kommen in dieser Form in der Natur nicht vor. Sie zeigen vielmehr, wie jene Maler die Natur zur damaligen Zeit erlebten.</p>
<h3>Literatur zur Landschaftsmalerei:</h3>
<p>Univie (Stand: 2007):</p>
<p>URL: http://homepage.univie.ac.at/elke.mader/natur_landschaft.pdf</p>
<p>Wapedia (Stand: 2007):</p>
<p>http://wapedia.mobi/de/Landschaftsmalerei</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Entwicklung der Landschaft in der Malerei: Jan van Eyck, Joachim Patinir, Jan van Goyens</title>
		<link>http://www.alltags-philosophen.de/2009/12/12/entwicklung-der-landschaft-in-der-malerei-jan-van-eyck-joachim-patinir-jan-van-goyens/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Dec 2009 11:03:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[kulturelle Phänomen Landschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ecoles du Nord von 1643]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung der Landschaft in der Malerei]]></category>
		<category><![CDATA[Jan van Eyck]]></category>
		<category><![CDATA[Jan van Goyens]]></category>
		<category><![CDATA[Joachim Patinir]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaftsmalerei]]></category>
		<category><![CDATA[Madonna des Kanzlers Rolin]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein weiteres Bild von Jan van Eyck, einige Jahre später gezeichnet (1435), wies nun auch deutlich mehr landschaftliche Aspekte auf. Ein großer Bildteil besteht in der Madonna des Kanzlers Rolin bereits aus Landschaft. Auf diesem Bild sieht man im Vordergrund des Bildes den Kanzler und die Madonna sitzend, mit einem Kind auf dem Schoß. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-83" title="Eyck_madonna_rolin" src="http://www.alltags-philosophen.de/wp-content/uploads/2009/12/Eyck_madonna_rolin-285x300.jpg" alt="Eyck_madonna_rolin" width="285" height="300" />Ein weiteres Bild von <a title="Jan van Eyck" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_van_Eyck" target="_blank">Jan van Eyck</a>, einige Jahre später gezeichnet (1435), wies nun auch deutlich mehr landschaftliche Aspekte auf. Ein großer Bildteil besteht in der <em>Madonna des Kanzlers Rolin</em> bereits aus Landschaft. Auf diesem Bild sieht man im Vordergrund des Bildes den Kanzler und die Madonna sitzend, mit einem Kind auf dem Schoß. Der Hintergrund besteht zu großen Teilen aus Landschaft, was diese zu einem realen, gestalterischen Mittel macht. Die Landschaft wirkt nicht nur Hintergrund verzierend, sondern vielmehr auch Hintergrund gestaltend. Jan van Eyck arbeitete akribisch an jedem Detail, was seine Werke letztendlich so besonders und so einmalig für diese Zeit machten. Das vielleicht außergewöhnlichste an diesem Bild ist die ausschließliche Darstellung der Weltlichkeit.</p>
<p>Zwei Menschen prägen das vordere Geschehen, während eine Landschaft den Hintergrund gestaltet. Die Komponierung und die Detailfülle sind ebenfalls einzigartig. Doch auch in diesem Bild wird nicht gänzlich auf christliche Motive verzichtet, was sehr deutlich an der Geste des Kanzlers, den gefalteten Händen zum Gebet, zu sehen ist.</p>
<p><span id="more-82"></span><br />
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<img class="aligncenter size-medium wp-image-84" title="Felsenlandschaft" src="http://www.alltags-philosophen.de/wp-content/uploads/2009/12/Unbenannt-1-Kopie-281x300.jpg" alt="Felsenlandschaft" width="281" height="300" />Der holländische Maler Joachim Patinir gilt als der erste, niederländische Maler, der sich hauptsächlich auf das Malen von Landschaften spezialisierte, allerdings verzichtete auch er nicht darauf, religiöse Szenen in seinen Werken einzubetten. Sehr anschaulich wird dies in seinem Bild eine Felslandschaft mit den Hl. dargestellt. Die wunderschön in Szene gesetzten Landschaften mit ihren phantastisch, anmutenden Felslandschaften bilden scheinbar das Fundament, um die Religiosität seiner Bilder noch zu verstärken.</p>
<p>Das soll an dieser Stelle verdeutlichen, dass die Religiosität keineswegs vergessen war und auch nicht aus der Motivpalette der Künstler verschwand. Die Kirche hatte noch immer eine sehr große Macht und war vor allem zu größtem Maße verantwortlich für Bildung und Kunst. Weiterhin bedeutete ein Konflikt mit der Kirche noch immer, dass man sein Leben aufs Spiel setzte. Letztendlich könnte man nun Vermutungen anstellen, ob die Einbettung religiöser Motive nur deswegen erfolgte, um nicht in einen Konflikt mit der Kirche zu gelangen, was sich an dieser Stelle allerdings nicht erschöpfend klären ließe. Was allerdings als ernstzunehmender Grund anerkannt werden kann ist, dass für viele Künstler dieser Zeit die Kirche noch immer ein sehr wichtiger Bezugspunkt darstellte. Alles das, was man sah, war in vielen Augen noch immer Gottes Schöpfung und Gottes göttlicher Pinselstrich. Letztendlich kam es nur zu einer Verlagerung der religiösen Darstellung von der Apostel Darstellung zur Landschaftsdarstellung, wobei Landschaft mit göttlicher Schöpfung gleichgestellt wurde.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-85" title="Windmühlen" src="http://www.alltags-philosophen.de/wp-content/uploads/2009/12/ME0000058997_3-300x205.jpg" alt="Windmühlen" width="300" height="205" />Fast zwei Jahrhunderte später vollendete sich erst die Entwicklung der Landschaftsmalerei zu einer Malerei, scheinbar frei von Religiosität, in den Werken Jan van Goyens. Seine Landschaften wirken gänzlich von jedem religiösen Einfluss befreit. Mit ihm entsteht die „wirkliche“ Landschaftsmalerei. Er ist der Erste, der vor allem auch kulturelle Landschaften, wie Häfen und Städte darstellte.</p>
<p>In seinem Werk Ecoles du Nord von 1643 z.B. stellt er eine Stadtlandschaft dar. Er machte kulturelle Landschaften malerisch und versuchte die Perfektion und das Schöne im menschlichen Schaffensprozess darzustellen. Sehr deutlich zu erkennen an der exakten Rechtsausdehnung seiner Bilder. Bei genauem Hinsehen erkennt man dies an den Segeln, Masten und auch Fahnen. Generell scheint jedes seiner Bilder rechtsbündig angeordnet zu sein.</p>
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		<title>Die Italiener &#8211; Entdecker der Landschaft in der Malerei</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 21:36:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Provocateur</dc:creator>
				<category><![CDATA[kulturelle Phänomen Landschaft]]></category>
		<category><![CDATA[die Madonna in der Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[italienischen Renaissance]]></category>
		<category><![CDATA[Jan van Eyck]]></category>
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		<category><![CDATA[Mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[Naturwahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Italiener werden als die frühesten unter den Modernen angesehen. Sie nahmen die Natur als etwas mehr oder weniger Schönes wahr und lieferten als erste, feste Beweise für eine tiefere Wirkung großer landschaftlicher Anblicke auf das Gemüt. Sie erkannten die Bedeutung der Landschaft für die Seele (Dante 1307 – 1320). Diese Entwicklung begann mit der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Italiener werden als die frühesten unter den Modernen angesehen. Sie nahmen die Natur als etwas mehr oder weniger Schönes wahr und lieferten als erste, feste Beweise für eine tiefere Wirkung großer landschaftlicher Anblicke auf das Gemüt. Sie erkannten die Bedeutung der Landschaft für die Seele (Dante 1307 – 1320). Diese Entwicklung begann mit der <a title="Die italienische Renaissance" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance">italienischen Renaissance</a>.</p>
<p>In dieser Zeit entwickelte sich der Gedanke, dass die Erde nicht nur als Zwischenstation dient und das das Jenseits nicht die einzige, lebenswerte Welt darstellt. Man begann die Welt als etwas mehr oder weniger Schönes zu erkennen und man wollte nicht mehr hinnehmen, dass die Welt nur von Gott geschaffen wurde, um den Menschen leiden zu lassen. Man fing an, die Welt zu betrachten und im „Diesseits“ zu leben.</p>
<p><span id="more-68"></span></p>
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<p>Als ein entscheidendes Ausdrucksmittel hierfür verstand sich die Malerei. Vor allem die seit dem späten Mittelalter existierende Tafelmalerei machte es möglich, dass sich die Landschaftsmalerei entwickeln konnte. Im späten Mittelalter transformierte der Begriff Landschaft zu seiner heutigen, rein geografischen Bedeutung. Für die Malerei der Renaissance bedeutete das, dass sich „der Begriff Landschaft als Bezeichnung für die Darstellung eines Ausschnitts aus einem Naturraum“ einbürgerte. Die Wurzeln des Begriffs liegen im Altdeutschen und beschreiben seit dem 12. Jahrhundert „die Gesamtheit der Bewohner eines Landes (welche später auf die ständische Versammlung eines Landes ausgedehnt wurde)“ (Wapedia).</p>
<p>Weiterhin erwies sich das „draußen malen“ als einer der entscheidenden Punkte der Naturwahrnehmung und der Entwicklung der Landschaftsmalerei. Die Malerei veränderte sich zu einer Ausdrucksform, welche die Welt so darstellen wollte, wie sie war und nicht so, wie die Bibel es aufzeigte und vorgab. Man wollte die reale Welt darstellen<strong>. </strong>Landschaften gewannen malerischen Charakter und es entstand das Bedürfnis, diesen Charakter auch abzubilden.</p>
<p>Anfangs dominierten noch die Kirche und die dazugehörige, biblische Motivwelt in der Landschaftsmalerei. Ferner ging es anfänglich auch weniger darum die kirchliche Motivwelt aus der Malerei zu verdrängen. Die Natur in ihrer Perfektion spiegelte für viele Künstler noch immer den göttlichen Pinselstrich wieder. Vorerst wollte man lediglich die Welt so malen, wie sie war. Man wollte ein realistisches Abbild schaffen und die „weltliche“ Welt in den Vordergrund rücken.</p>
<p>Ein wichtiges Bild, mit der die Entwicklung der Landschaftsmalerei gewissermaßen ihren Anfang nahm, war das Bild von Jan van Eyck (1426), <em>die Madonna in der Kirche</em>. Die Madonna selbst wurde zentral in einer Kirche dargestellt. Sie hält ein Kind in Ihren Armen und trägt ein langes schwarz –rotes Gewand und auf dem Kopf eine Krone.</p>
<p>Bereits auf den ersten Blick sichtbar ist die übergroße Darstellung der Madonna im Vergleich zur Kirche und auch zum Kind. Auch erkennt man unweigerlich, dass Landschaft auf diesem Bild gänzlich fehlt. Als paradigmatisch für die Landschaftsmalerei erweist sich das Bild erst beim genaueren Hinschauen. Was sogleich ins Auge springt, ist die Detailtreue und Detailfülle, die dieses Bild auszeichnet und sehr ungewöhnlich für diese Zeit macht. Weiterhin sehr interessant erweist sich der Aspekt, dass in diesem Bild erste Züge von perspektivischem Malen zu erkennen sind. Die Madonna wurde in den Mittelpunkt gestellt und exakt im Raum angeordnet. Der Umstand, dass die Madonna unnatürlich groß dargestellt wurde, lässt keineswegs darauf schließen, dass es zu proportionellen Fehlern kam. Zu erkennen ganz deutlich an den exakt proportionell angeordneten Schatten, die die Kerzen werfen.<strong> </strong>Ein sehr wichtiger Punkt ist, dass in diesem Bild begonnen wurde, die weltliche Macht (Autorität) in den Vordergrund zu rücken und ihr mehr Raum und Einfluss einzuräumen.</p>
<p>Die Madonna, quasi größer dargestellt als die Kirche, zwei weltliche Symbole tragend (Die Krone und das Kind), zeigte den aufkommenden Trend dieser Zeit, der die Welt in den Vordergrund rücken sollte.<strong> </strong>Die Anfänge der Tafel- und Holzmalerei hatten noch erhebliche Probleme mit der räumlichen Darstellung der Welt und auch mit der Proportion von Personen. Erst durch das Betrachten von Landschaften wurde verdeutlicht, was eine Perspektive bedeutet und das die Perspektive entscheidend für eine exakte Anordnung von Dingen im Raum überhaupt erst ermöglichte. Das Paradigma der Perspektive machte die Landschaftsmalerei erst möglich.</p>
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